"Jeder hat einen Plan, bis er eins auf die Fresse bekommt".  Mike Tyson



Checkpoint (CP) 1: Hermannsdenkmal

Das Sweet Sixteen Bikepacking Adventure beginnt historisch. In der Stadt des westfälischen Friedens wird gestartet. Vielleicht findet ihr den Abend vorm Start noch die Zeit über den touristisch beliebten Prinzipalmarkt zu flanieren, den St.-Paulus Doms und die Lambertikirche zu bestaunen. Die Route verlässt Münster auf ruhigen Gravelpassagen entlang des Dortmund-Ems-Kanal.
Nach wenigen Kilometern ruhiges einrollen geht es aber direkt zur Sache. Es geht in den Teutoburger Wald. Dort werden Gravel Fans ihre wahre Freude haben. Den Teuto werden wir bis zum Hermannsdenkmal (CP 1) nicht mehr verlassen. Euch erwarten tolle Aussichten schöne Waldstrecken und einige knackige Anstiege. 

CP 2 und 3: Die Stadmusikanten und die Kugelbake als nördlichster Punkt

Bevor die Strecke vom Hermannsdenkmal ins flache und weitläufige Flächenland Niedersachsen führt, gilt es noch einige Höhenmeter im Wiehengebirge zu bewältigen. Wer jetzt glaubt der CP 2 kann nicht weit sein, der täuscht sich. Hier wird Niedersachsen zunächst als "Brücke" zum CP 2, den Bremer Stadtmusikanten, genutzt. Allerdings ist es alles andere als eine langweilige Brückenüberfahrt.  Es geht von Süd nach Nord erneut über den Teuto und dann geht es von West nach Ost durch das Wiehengebirge. Nach den ganzen Höhenmeter wird es erstmal flach. Die Route führt an der Weser entlang zum CP 2 (Bremen) und CP 3 zum nördlichsten Punkt Niedersachsens  (Kugelbake).  

Foto: Olaf Zenker

CP 4 und 5: Hamburg und Ostsee

Auf den Elbradradweg fahren wir weiter über Stade Richtung Hamburg. Von Finkenwerder bis zu den Landungsbrücken könnt ihr euch auf einer fast 30 Minuten Fährfahrt etwas ausruhen und die tollen Ausblicke auf die "Perle des Nordens" auf euch wirken lassen. Sicher kann man hier in Hamburg länger verweilen, aber nach dem erreichen des Jungfernstiegs (CP 4) solltet ihr zügig weiter, denn  Richtung Schleswig-Holstein geht es auf den Hanseatenweg. Dies ist ein Wanderweg der NaturFreunde, welcher auch mit dem Bike befahren werden kann. Der Weg orientiert sich an alte Handelsrouten und erinnert so an die Bedeutung der Hanse und trägt zur europäischen Völkerverständigung bei. Es erwarten euch auf sen über 100 Km Weg bis zur Steilküste bei Brodten (CP 5) an der Ostsee abwechslungsreiche Gravel und Road Passagen. 

CP 6 und CP 7: Das Grüne Band des Kolonnenwegs und die Weite Brandenburgs

Jetzt befinden wir uns bereits im ehemaligen Grenzgebiet bei Travemünde. Stacheldraht, Streckenmetallzäune, Betonmauern, Wachtürme, Hundelaufanlagen, Soldaten mit Schießbefehl, zeitweise Minen und Selbstschussanlagen - mit diesen menschenverachtenden Methoden schirmten die Machthaber der DDR ihre Bürger vier Jahrzehnte lang vom freien Teil der Welt ab. Weil die Strecke zwischen dem Metallzäunen und der eigentliche Grenze nicht genutzt wurde, konnte sich hier die Natur 40 Jahre frei entfalten. Der Grenzstreifen entwickelte sich zu einem abwechslungsreichen Naturgebiet aus offenen und verbuschten Lebensräumen zum wertvollen Rückzugsbebiet für seltene Tier- und Pfanzenarten. Entlang des sog. Grünen Bandes reit sich ein ein Natuschutzgebiet an das nächste. Relikte der Teilung gibt es hingegen noch viele: Wachtürme, Erinnerungstafeln und -stätte, Mauerreste, Kunstwerke und vor allem die Erzählungen der Bewohner*in.
Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburgs wird entlang des Grünen Bandes auf den Kolonnenweg durchquert. Der Weg diente den DDR-Grenztruppen dazu, jeden Punkt der 1400 Km langen innerdeutschen Grenze möglichst schnell mit ihren Fahrzeugen zu erreichen. Die von Pflanzen durchwachsenen typischen Lochplatten auf dem Weg werden euch herausfordern. Der CP 6 für Mecklenburg-Vorpommern und der CP 7 für Brandenburg werden sich auf diesem Weg befinden und zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

CP 8: Berlin Berlin

Nach einer Fahrt durch das schöne Brandenburgische Land erreichen wir Berlin. Hier führt die Route über den Mauerweg. Der Berliner Mauerweg verläuft entlang der ehemaligen DDR-Grenzanlage zu West-Berlin. Historisch interessante Abschnitte, in denen sich Mauerreste befinden, wechseln sich mit landschaftlich reizvollen Strecken. Die Route verläuft etwa 55 Km auf den Mauerweg direkt vorbei am Brandenburger Tor (CP 8)

Foto: Gerald Hildebrandt

CP 9: "Wir sind das Volk"

Von Berlin aus geht es auf Abschnitten des Berlin-Leipzig-Radwegs in die Kreativstadt Leipzig. Dort ist die Nikolaikirche als als nächster Checkpoint (CP 9) für das Bundesland Sachsen anzufahren. Die Nikolaikirche war im Herbst 1989 ein wichtiger Ausgangspunkt der friedlichen Bürgerbewegung in der DDR mit dem sich anschließenden Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin.

CP 10: Brocken

Von Sachsen aus geht es nordwestlich weiter nach Sachsen-Anhalt. Hier wird der Gipfel des höchsten nordeutschen Berges erklommen: Der Brocken (CP 10). Die Anfahrt zum Brocken beginnt am "Denkmal zur Erinnerung an die Grenzöffnung am 11. November 1989" in Stapelburg. Der Brocken war von 1961 bis 1989 Grenzgebiet. Zu dieser Zeit war er ein eigener "Mikrokosmos", wo nicht nur Grenzsoldaten der DDR arbeiteteten, sondern auch Abhörexperten der Staatssicherheit und russicher Geheimdienstler es KGBs. Massive Grenzanalagen machten den Berg zu einer Festung. Es galt die DDR für immer abzuschotten und den westlichen "Feind" abzuhören.  Auf dem Harzer Grenzweg wird der Gipfel zum Brocken erklommen.  Den ehemaligen Grenzstreifen mit dem Bike hochzufahren ist sicher grenzwertig, aber was wäre ein Abentuer ohne solche Herausforderungen? Ihr seid gut beraten, wenn ihr für den Anstieg Zeit einplant und vorher gut "auftankt". Die Wahl des richtigen Schuhwerks ist ihr nicht ganz irrelevant ;-) 

Fotos: Olaf Zenker

CP 11 und 12: Little Berlin

Nach der wohlverdienten Pause auf der Abfahrt vom Brocken  geht es wieder gen süden. Es geht zum einzigen Checkpoint der für zwei Bundesländer steht. "Little Berlin" ist das nächste Ziel. "Little Berlin" nannten die Amerikaner das kleine Dorf Mödlareuth an der fränkisch-thüringischen Grenze. Wie in kaum einem anderen Ort außerhalb von Berlin ist hier zu sehen, wie eine über Jahrhunderte gewachsene Siedlungsstruktur durch Mauer und Stacheldraht getrennt wurde. In Mödlareuth wird es zwei Anlaufstellen geben. Eine auf der thüringischen (CP 11) und eine  auf der bayrischen Seite (CP 12

CP 13: Auf dem Pfad der Esel

Von nun an geht es westwärts an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Thüringen und Bayern entlang. Die Routenführung führt so bis nach Hessen ins beschauliche Schlüchtern. Schlüchtern ist ein Luftkurort. Tiefes durchatmen und auftanken ist jetzt auch nötig, denn ab hier folgt die Route den Eselsweg bis nach Miltenberg am Dreiländereck zwischen Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.  Der Eselsweg ist ein alter Weg von Kaufleuten, wo sie auf Eseln ihr Salz transportiert haben. Auf dem Weg findet man alles was das Radlerherz begehrt: tolle Waldwege, Wiesentrails, Schotterstraßen, Asphalt und vereinzelt sogar Singletrails. Zunächst sind die ersten Kilometer noch offen und man sieht die Weite der Landschaft und dann geht es in das größte zusammenhängende Waldgebiets Deutschlands, den Spessart. Auf diesem Weg liegt der CP 13.

CP 14: Heidelberg

Vom  Dreiländereck ist es nicht mehr weit zum Neckar und zur Universitätsstadt Heidelberg. Hier dient das mittelalterliche Brückentor der Alten Brücke als Ceckpoint (14).

CP 15: Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Bevor die Route am Deutschen Eck in Koblenz, wo sich Rhein und Mosel "küssen" und der letzte CP 16 für Rheinland-Pfalz erreicht wird, endet, gilt es das Saarland auf zwei Rädern zu "erobern".  Im Saarland wird ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe angesteuert. Unweit von der Landeshauptstadt Saarbrücken befindet sich das ehemalige Eisenwerk Völklinger Hütte (CP 15). Die Völklinger Hütte ist gegenwärtig ein wichtiger Standort der Industriekultur Deutschlands und Europas und Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur. 

Foto: Harald Legner

CP 16: Finish

Bis zum Finish am Deutschen Eck geht es nochmal ordentlich auf Gravel zur Sache. Ein kurzer Freundschaftschaftsbesuch bei unseren französischen Nachbarn darf bei dem Motto der Tour auch nicht fehlen.